Begegnungen

Submitted by steffen on Do, 04/03/2014 - 12:29

Was einem nachts so alles über den Weg läuft

Als Nachtläufer habe ich mich mittlerweile daran gewöhnt, dass manchmal Autos neben mir langsam machen, weil man schauen will, wer da nächtens seine Runden durch die Landschaft dreht.
Meist sind es normale Leute, wie Du und ich (wobei ich beim ich das normal jetzt mal nicht in Frage gestellt haben will), vielleicht Kinobesucher auf dem Weg von der Spätvorstellung nach Hause, oder Arbeiter auf dem Weg von der oder zur Schicht. Manchmal sind es auch unsere Freunde und Helfer mit den lustigen blauen Lampen auf den Autodach, unterwegs im Kampf gegen Verbrechen und Terror. Vielleicht sitzen ja in dem ein oder anderen Auto wirklich Verbrecher. Womöglich Entführer, auf der Suche nach einem Opfer, das nicht so sehr nach Laktat müffelt. Kann ja alles sein.

Aber eine Spezies ist mir - bis heute nacht - noch nicht begegnet: Nutten.

Da lief ich also auf dem Radweg Richtung Nachbarort so vor mich hin, erfreute mich an den funkelnden Sternen über mir, genoss die frische Nachtluft um mich herum, als ich merkte, dass sich von hinten ein Auto näherte. Auf der Straße, nicht auf dem Radweg. Also eigentlich alles wie immer. Dass das Auto dann langsamer wurde, war immer noch nicht ungewöhnlich. Dann fiel mir das rote Leuchten auf, welches das nun neben mir fahrende Auto umgab. Ich riskierte einen Blick zur Seite, nur kurz, weil ich ja schließlich den Weg vor mir im Auge behalten muss, weil die Bauern hier zeitweise sämtliche Radwege in Trailstrecken verwandeln. Und so kurz vor dem Halbmarathon in Freiburg will ich mir kein Umknicken oder sonstwas leisten.

Ich schaue also, was da neben mir fährt: Ein Wohnmobil. Innen komplett rot beleuchtet, Herzchen an den Scheiben. Ein Minipuff auf Rädern. Kurz fährt es in meinem Tempo neben mir her, dann wird es wieder schneller und verschwindet nach ein paar Kurven aus meinem Sichtfeld.
Die Dame hat sich wohl gedacht: Wer so spät hier rumläuft, der hat bestimmt eh kein Geld dabei.
Oder aber auch: Wer so spät hier rumläuft, der hat bestimmt erst seine Kinder ins Bett gebracht, danach noch schnell den jungen Rasen, den er erst vor ein paar Wochen eingesät hat, gewässert. Dann hat er den Abend mit seiner Frau - die er womöglich auch noch "BesteEhefrauDerWelt" nennt - verbracht, und ist erst ganz spät, als alle schliefen, zum Laufen aufgebrochen. Hach wie romantisch - und außerdem hat er bestimmt eh kein Geld dabei.

Im Geiste machte ich auf meiner imaginären Liste meiner nächtlichen Laufbegegnungen ein Häkchen bei Nutten. Jetzt fehlt mir eigentlich nur noch unser Gemeindepfarrer, dann wäre ich mit der Liste durch.