Der Tag an dem ich mir beinahe - aber wirklich nur beinahe - ein Paar neue Laufschuhe gekauft hätte

Submitted by steffen on So, 08/12/2012 - 22:30

Augen auf beim Laufschuhkauf

Es passierte an einem sonnigen Tag im August.

Mittagspause. Sonnenschein. Stadtbummel. Was liegt näher, als dabei das ein oder andere Geschäft auch mal zu betreten um zu sehen, ob man sich dort seiner Konsumlust hingeben kann? Eigentlich brauche ich ja gar keine neuen Schuhe. Trotzdem betrat ich an jenem Tag dieses Schuhgeschäft. Angenehm kühl war es dort und der herbe Duft von Leder lag in der Lust.

Fern jeder Zielstrebigkeit - denn eigentlich brauche ich ja gar keine neuen Schuhe - schlenderte ich durch die Regalreihen. Kinderschuhe, Damenschuhe, Herrenschuhe, Sandalen, Straßenschuhe, Businesskasperschuhe in unermesslicher Vielfalt. Bei den Sportschuhe fiel mir ein Paar Nike Free Run 2 ins Auge. Oder besser 'sprang' mir ins Auge, denn die Farbkombination Schwarz/Neongelb kann nicht gerade als zurückhaltend bezeichnet werden. Auf dem auffälligen Preisschild stand 69 €, darunter in kleinen Buchstaben das Wort 'Fehlerpaar'. Selbst für dieses Vorjahresmodell war der Preis verlockend.

Also setze ich mich nieder und tat, was getan werden musste: Ich probierte die Dinger an. Dabei fielen mir die lilafarbenen Einsätze in der Sohle auf. Sollte das etwa der Fehler sein?
Die Schuhe passten. Mehr oder weniger. Irgendwie saß der rechte Schuh etwas strammer am Fuß als der linke. Auch das Nachziehen der Schnürung beiderseits brachte nicht ganz das gewünschte Resultat. Sollte das etwa der Fehler sein? Ich überlegte, ob ich mir die Schuhe zurückstellen lassen sollte um am nächsten Tag mit meinen gewohnten dünne Laufsocken nochmal die Anprobe zu wiederholen. Da hörte ich hinter mir folgenden Dialog:

Kunde: "Un wo isch do jetzt da Fehler?"
Verkäuferin: "Hansie's net merkt?"
Kunde: "Hanoi!"
Verkäuferin: "Ei 's sin zwei verschiedene Größe."
Kunde: "Aahso..."

Offensichtlich war ich nicht der Einzige, der ein Fehlerpaar anprobierte. Jetzt fiel mir auch auf, dass, was für den Laden unüblich war, beide Schuhe des Paares im Regal standen. Von allen anderen Paaren stand jeweils nur der rechte Schuh da. Den Linken muss man sich zum Anprobieren von einer Schuhfachverkäuferin aus dem Lager bringen lassen. Auch eine Art von Diebstahlsicherung. Personalintensiv, aber wirkungsvoll.
Ich zog die Schuhe aus und schaute mir die Größenschildchen genauer an. Größe 10,5 rechts, Größe 11 links. Die Schuhe kamen ins Regal zurück und ich verließ den Laden. Schade.

Oder doch nicht schade, denn eigentlich brauche ich ja gar keinen neuen Schuhe. Und außerdem will ich ja sowieso viel lieber das aktuelle Modell, den Nike Free Run 3 haben. Denn Laufschuhe kann man eigentlich nie genug haben.