Kinzigtallauf 2011 Haslach

Submitted by steffen on Sa, 09/10/2011 - 20:44
Kinzigtallauf 2011 - Ganz schön ins Schwitzen gekommen

Mein Laufbericht vom Kinzigtallauf 2011 in Haslach

Was macht man an einem sonnigen Samstagnachmittag im September bei herrlich spätsommerlichen 30 Grad im Schatten, wenn man im Umkreis von knapp 10 Kilometern vor der eigenen Haustür etwa ein Dutzend Bade- und Baggerseen zur Auswahl hat? Richtig: Man fährt 40 Kilometer ins Kinzigtal hinein, um sich bei einer Affenhitze von 30 Grad im Schatten bei einem Volkslauf die Seele aus dem Leib zu schwitzen. Was sonst?

Also ab nach Haslach. Ein Parkplatz war schnell gefunden, das Rathaus ebenfalls. Dort gab's jede Menge Startnummern. Auch meine. Schuhe nochmal gut schnüren und dann warm laufen. Aber nur ganz kurz. Schließlich hatte ich noch 10 km vor mir.

Lang hab ich überlegt. Soll ich oder soll ich nicht? Zwar hatte ich meinen Trinkgürtel zuhause liegen lassen und es würde unterwegs drei Verpflegungsstellen mit Wasser geben; aber kurz vor dem Start entschied ich mich dann doch meine Halbliter-Trinkflasche mitzunehmen. Für einen sauberen Laufstil ist das ja wirklich nicht gerade sehr zuträglich, wenn man die ganze Zeit was in der Hand halten muss; dennoch sollte es nicht die schlechteste Entscheidung des Tages gewesen sein. Von meinem einzigen Trainigslauf in Haslach ein paar Tage vorher wusste ich, dass es auf etwas mehr als 2/3 der Strecke keinen Schatten geben wird.

Vom Start weg - ich hatte mich wieder schön im letzten Drittel des Feldes aufgestellt - wurde der ganze Lauf recht zügig angegangen. Vielleicht etwas zu zügig, denn nach gerade mal 300 Metern stand bereits der erste Läufer mit Krämpfen am Straßenrand. Also Obacht!
Der erste Kilometer war nach 5:20 min erreicht. Puls im grünen Bereich. Beine locker. Easy!
Die nächste Kilometermarke lag nach 10:30 min hinter mir. Puls gerade noch im grünen Bereich. Beine locker. Easy? Leichte Zweifel kamen in mir auf. Nein, der Easy war wohl unterwegs irgendwo verloren gegangen. So früh schon?
Dann, etwa bei Kilometer 3, kam die erste Verpflegungsstelle. Ein Becher Wasser - wie üblich über den Kopf gegossen - vermochte es für einen kurzen Moment mir ein klein wenig Linderung zu verschaffen.
Danach wurde die Strecke steiler. 500 Meter weiter durchzuckte mich plötzlich ein Gedanke, so wie ein Blitz durch die schwüle Sommernacht schneidet: Warum mach ich den Scheiß überhaupt mit? Keine Antwort.

Dann kam der Wald und mit ihm diese fiese Steigung. Grober Schotter bergauf. Ich liebe es! Leider unterschied sich dieser Teil der Strecke von dem, den ich im Training kennengelernt hatte. Scheinbar habe ich am Donnerstag einen Pfeil übersehen und bin die Steigung nur zur Hälfte gelaufen. Shit happens! Entsprechend fertig war ich dann auch, als ich mit Puls jenseits 190 endlich oben war. Meine Bergläufe im Urlaub hatten also - abgesehen von der gerade abgeklungenen Nagelbettentzündung am großen Zeh - eindeutig keine so nachhaltige Wirkung, wie ich es mir erhofft hatte. Vielleicht sollte ich bei unserer Gemeindeverwaltung mal beantragen, dass im Ried ein Hügel aufgeschüttet wird. Platz ist da ja schließlich genug.

Irgendwann kam das 5-Kilometerschild in Sicht. Der Blick auf die Uhr stellte 2 Fakten unmissverständlich klar:
1. Heute gibt es keine Bestzeit! und
2. Heute unter 60 Minuten zu bleiben wird verdammt knapp!

Die letzten vier Kilometer hatten es dann nochmal richtig in sich. Immer mehr Läufer zollten der Hitze Tribut und gaben auf. Kurze Zeit spielte auch ich mit dem Gedanken. Aber wirklich nur kurz. So zwischen Kilometer 6 und 8. Doch so kurz vor dem Ziel wäre Aufgeben auch echt blöd gewesen. Also nochmal die allerletzten Reserven mobilisiert und die letzten beiden Kilometer leidend hinter mich gebracht.

Am Ende blieb die Uhr bei 59:13 stehen und ich belegte Platz 267 von 450 Startern, von denen 378 das Ziel erreichten.

Einige Finisher hatten sich so verausgabt, dass sie sich im Ziel ärztlich behandeln lassen mussten, manche bekamen Infussionen und wurden mit dem Krankenwagen abtransportiert. Mir reichte ein kurzer Zwischenstop am Läuferbuffet und eine Abkühlung in einem der Brunnen. Wäre vielleicht doch mehr drin gewesen?

Mein Fazit: Nie wieder Kinzigtallauf! Also auf Wiedersehen in 2012...