4. Sababurger Tierparklauf 2012

Submitted by steffen on So, 08/26/2012 - 20:00
Sababurger Tierparklauf 2012  (Foto: © C. Mehlich)

Mein Laufbericht vom 4. Sababurger Tierparklauf 2012

Urlaub im Weserbergland. Hurra! Bei der Suche nach Ausflugszielen, die auch mit 2 kleinen Kindern machbar sind, stieß meine besser Hälfte auf den Tierpark Sababurg: "Du, da gibt's sogar einen Lauf. Am Sonntag. Wär' das nix für Dich?"

In der Startgebühr von 15 Euro, die in den geplanten Bau eines neuen Elchgeheges fließen sollte, war der freie Eintritt zum Tierpark für die ganze Familie enthalten. Manche Entscheidungen wollen es einem eben nicht unnötig schwer machen getroffen zu werden.

Zwar spielte ich zuerst mit dem Gedanken mich für den Halbmarathon anzumelden und diesen als langen Sonntagslauf zu machen. Aber das hügelige Streckenprofil schreckte mich als Flachländer ein klein wenig ab und so entschied ich mich für die 10km-Distanz. Außerdem sollte der Halbmarathon bereits um 9:00 Uhr starten, und das war mir - für den ersten Urlaubstag - etwas zu früh.

Und so stand ich am Sonntag früh rechtzeitig bei der Startnummernausgabe um meinen Obolus zu entrichten und meiner Familie einen schönen Tag im Tierpark zu erlaufen. Denn während ich mich meiner Lauflust hingab, wollten Frau und Kinder den Tierpark in weitaus gemütlicherem Tempo erkunden. Ein Bollerwagen zwecks bequemeren Kindertransport war schnell gemietet. Zu dem Zeitpunkt dachte ich wirklich noch, dass länger als zwei Stunden (als Zielzeit hatte ich mir etwa eine Stunde vorgenommen + Umziehen/Duschen/Urkunde abholen) unser Aufenthalt vor Ort nicht dauern würde. Das war ja sowas von naiv...

Pünktlich um 10:00 Uhr fiel der Startschuss für mich und weitere 133 Läufer, von denen etwa die Hälfte ebenfalls 10 Kilometer unter die Füße nehmen würde; der Rest begnügte sich mit einer Runde über 5 Kilometer.

Vom Start weg ging es erstmal bergauf, und das mit einer recht gemütlichen Pace von irgendwas um die 6:30. Frei nach dem Motto: Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not. Schon nach kurzer Zeit hatte sich das Feld entsprechend auseinandergezogen und ich fand mich in einer kleinen Gruppe gleichschneller Läufer wieder, die angeführt wurde von einer jungen Dame mit wunderschönen rosafarbenen Adidas-Schuhen und nicht weniger wunderschönen und genauso rosafarbenen Kompressionsstrümpfen, und ihrem Begleiter mit den, wenn ich mich richtig erinnere, brettharten blauen Laufschuhen Marke Bundeswehr. Die beiden waren etwa so alt wie ich. Also die beiden waren ZUSAMMEN etwa so alt wie ich.

Nach ungefähr 2 Kilometern war der höchste Punkt der Strecke erreicht. Mehr Steigung hätten meine Oberschenkel auch gar nicht verkraften wollen. 'Jetzt könnt' man mal etwas Gas geben' dachte ich mir, und da die beiden Youngster vor mir keine diesbezüglichen Anstalten machten ließ ich sie hinter mir. Die gleiche Idee hatte auch ein 2-Meter-Mann, der mit einem Affenzahn (klar, Tierpark) an mir vorbei zog und bergab immer schneller wurde. Aufgrund meiner durchaus lebensbejahenden Grundeinstellung verbunden mit der teilweise fragwürdigen Beschaffenheit der Strecke (an manchen Stellen hatte das Geläuf ziemlich große Löcher zu bieten; die passenden Steinbrocken dazu lagen meist ein paar Meter weiter) versuchte ich erst gar nicht ihm zu folgen. Am Ende des steilsten Streckenstücks lud eine mehr als 3 Meter lange und unwesentlich schmälere Pfütze zur Abkühlung ein. Diese Einladung lehte ich aber erstmal ab, bzw. verschob sie auf die zweite Runde; wusste ich doch jetzt noch nicht, was mich in dieser Runde noch alles erwarten würde.

Auf dem relativ flachen Stück zurück Richtung Start/Ziel, das hier teilweise wieder über Asphalt führte, holte ich den langen Lulatsch irgendwie wieder ein. Offensichtlich konnte ich aufgrund meiner minimal größeren Schwungmasse mehr Tempo vom Gefälle mit in die Ebene nehmen. Physik at it's best!
'Dranbleiben', dachte ich mir, 'dann kann ich mich vielleicht in der 2. Runde von ihm die Steigung hochziehen lassen.' Kurz vor Ende der ersten Runde überholten wir noch ein paar (zu) schnell gestartete Läufer. Einer davon trug ebenfalls die bereits erwähnten BW-Laufschuhe; scheinbar sind die hier oben beliebt. Ein anderer - Endvierziger - hatte bis fast übers Knie reichende blendend weiße Kompressionsstrümpfe an. Bestimmt mit Perwoll gewaschen. Dazu später mehr.

Im Zielbereich stand meine Familie und feuerte mich lautstark an. Das war so nicht abgesprochen und freute mich deshalb um so mehr.

Dann ging's auch schon wieder bergan. Wie geplant folgte ich Long John, der hier erwartungsgemäß etwas Tempo rausnahm. Schließlich lagen noch knapp 2 Kilometer Steigung vor uns. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass noch etwas mehr drin sein könnte. Also überholte ich und spielte so für ihn das Zugpferd. Ungefähr zur Hälfte der Steigung blitzte plötzlich etwas Helles in mein Blickfeld. Ich schaute zur Seite und sah ein Paar blendend weiße Kompressionsstrümpfe mit einem Endvierziger darin, der mich locker flockig mit einem breiten Grinsen überholte. 'Dranbleiben', dachte ich mir, 'dann kann ich ihn vielleicht da unten am Wasserloch ordentlich einsauen...' Ich blieb dran. Long John nicht.

Auch diese Steigung ging irgendwann zu Ende. Dicht hinter Häuptling weiße Socke ließ ich es bergab nochmal so richtig laufen. Bis zum nächsten Getränketisch. Dort griff ich mir einen Becher und - weil ich immer noch nicht gelernt habe während des Laufens zu trinken - ging ein paar Meter. Dann ging's in wilder Hatz wieder weiter Richtung Wasserloch. Aber eine Familie mit Kinderwagen, die just in dem Moment an der Pfütze stand und die ebenfalls eine ordentliche Schlammpackung abbekommen hätte, wäre ich wirklich da durchgerannt, ließ mich die Idee mit der Abkühlung verwerfen. War eh nicht so heiss an dem Tag...

Ab hier traf man auch vermehrt auf Nordic-Walker. Diese waren eine viertel Stunde nach uns gestartet und befanden sich jetzt in der 2. Hälfte ihrer 5km Runde. Auch wenn Nordic-Walker immer paar- bzw. grüppchenweise auftauchen und dann in aller Regel nebeneinander gehen, waren sie doch stets bemüht nicht im Weg zu sein und machten ganz fair Platz. Das hab ich auch schon anders erlebt...

Die letzten Kilometer waren dann auch bald abgehakt. Mit einer Zeit von 56:32 beendete ich diesen außergewöhnlichen Lauf, von dem ich behaupten möchte, dass es der bisher schönste 10er war, den ich bisher gelaufen bin. Landschaftlich reizvoll und mit einem abwechslungsreichen Streckenprofil.

Der Rest ist schnell erzählt. Nach dem Umziehen verkürzten wir uns die Wartezeit, bis die Urkunden gedruckt waren, mit leckeren nichtisotonischen Bratwürsten und ebenso nichtisotonischen leckeren Waffeln. Und da ich beim Laufen den Tierpark zwar zweimal umrundet, aber trotzdem nicht viele Tiere zu Gesicht bekommen habe, drehten wir noch eine Runde. Mit dem Bollerwagen...