Freiburg Halbmarathon 2012

Submitted by steffen on Mo, 04/02/2012 - 17:42
Freiburg Halbmarathon 2012

Mein Laufbericht vom Freiburg Halbmarathon 2012

Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer - diese jammermusikalische Grütze zu spielen hat sich zum Glück keine der 42 Bands getraut, die auf der Strecke des (Halb)marathons in Freiburg für Stimmung sorgten.

Aber schön der Reihe nach. Fast pünktlich von Zuhause losgekommen und nach einer ganz gemütlichen Autofahrt kam ich mit einem ausreichend großen Zeitpuffer in Freiburg an und konnte, ohne lange suchen zu müssen, einen Parkplatz unweit des Messegeländes ergattern. Den knappen Kilometer Entfernung bis zum Start konnte ich gleich - so wie ich es geplant hatte - prima zum Aufwärmen nutzen. Trotz strahlendem Sonnenschein und eigentlich angenehmen 12°C war es wegen des kalten Windes recht ungemütlich in der Startaufstellung. Aber je mehr Läufer sich am Start einfanden, desto eher konnte man sich unauffällig bei einem etwas beleibteren Zeitgenossen in den Windschatten stellen. Dort wo ich stand gab es nämlich mehrere potentielle Schattenspender. Und Schattenspenderinnen...

Passend zu meiner geschätzen Zielzeit durfte ich mich im Startblock B einsortieren. Block A war den Startern mit einer Zielzeit von maximal 1:45 (Halbmarathon) bzw. 3:30 (Marathon) vorbehalten. Vielleicht stehe ich ja im nächsten Jahr dort vorne...

Um 11:10 Uhr fiel der Startschuss für die schnellen Jungs und Mädels; ungefähr acht Minuten danach überquerte ich die Startlinie. Ich war unterwegs auf meinem ersten Halbmarathon. Es war schon ein geiles Gefühl im Pulk mit fast 11.000 anderen zu laufen. Wohin man schaute, überall Läuferinnen und Läufer.
Natürlich versuchte ich gleich mein angestrebtes Tempo für die erste Streckenhälfe zu erreichen und war einigermaßen erstaunt, als noch vor Ende des ersten Kilometers plötzlich die 2-Stunden Zugläufer mit Ihren Ballons an mir vorbei zogen. Macht erstmal nix, dachte ich mir, ich muss ja eigentlich nur in deren Nähe bleiben, und wenn ich am Schluss noch Körner hab und aufschließen oder sogar überholen kann, dann klappt's sicher auch mit einer Zeit unter 2 Stunden.
Kurz vor Kilometer 2 überholten mich dann aber auch noch die 4-Stunden Pacemaker für den Marathon. Hier läuft doch irgendwas falsch, dachte ich mir. Die sind sicher viel zu schnell. Oder ich war zu langsam.
Und so richtig motivieren konnte mich die Band bei Kilometer 3 auch nicht. You'd better forget it, you'll never get it sang mir die Dame entgegen. Leute, bitte streicht Easy Lover von Phil Collins im nächsten Jahr von Eurer Setlist. Sowas will auf der Langstrecke niemand hören.

Bei Kilometer 3,5 gab es an einer Unterführung einen kleinen Rückstau - zu viele Läufer und zu wenig Platz. Kurz stehenbleiben, verschnaufen, und wenigstens fand ich danach wieder zu einem gleichmäßigen Tempo. Trotzdem hinkte ich bei Kilometer 5 meinem Schlachtplan bereits um über eine halbe Minute hinterher. Der Abstand zu den Ballonläufern vergrößerte sich mit jedem Kilometer. Im Geiste nahm ich schonmal Abschied von meiner 2-Stunden-Zeit. Aber: Wer länger läuft hat mehr von seiner Startgebühr.

Danach folgte der erste Abstecher in die Innenstadt und anschließend das relativ lange Stück an der Dreisam entlang bis zum Stadion. Auf diesem Streckenabschnitt hängte ich mich hinter einen Läufer, der, so interpretierte ich zumindest den Aufdruck auf seinem Shirt, aus Frankreich zu kommen schien, etwa Mitte bis Ende vierzig war und die behaartesten Beine besaß, die ich je im Leben gesehen habe. Erst dachte ich der Typ trägt Wollhosen. Naja, jedenfalls hatte er genau das richtige Tempo drauf. An der 10-Kilometer-Marke zeigte mir die Uhr 56:55 Minuten an. Bis ungefähr Kilometer 11 blieben wir dicht beeinander.

Danach, die Hälfte der Strecke lag jetzt hinter mir, zog ich das Tempo etwas an. Die zweite Hälfte wollte ich im Schnitt 10 Sekunden pro Kilometer schneller angehen, als die erste Hälfte. Nach zwei etwas schnelleren Kilometern lief ich an der nächsten Wasserstelle auf die 4-Stunden Pacemaker auf und plötzlich wurde mir klar, mit welcher Taktik die Jungs liefen: Offenbar hatten sie für jede Verpflegungs- und Wasserstelle eine Verzögerung von 5-10 Sekunden einkalkuliert und ihre Pace war dementsprechend schneller. Bei 8 solcher Punkte kommt da schon ein erkleckliches Sümmchen Zeit zusammen.

Der Streckenabschnitt durch die Altstadt war Party pur! Jede Menge Musik und jede Menge Zuschauer. Super Stimmung! Zwar stockte das Feld an einigen Stellen, da die Strecke hier relativ eng war, und auch die zahlreichen Kurven machten das Ganze nicht einfacher. Der Lauf auf dem Kopfsteinpflaster war, abgesehen von den Straßenbahnschienen, überraschend unspektakulär. Das hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Mit dem Asphalt stieg dann auch wieder das Tempo. Ungefähr bei Kilometer 17,5 konnte ich dann auch die 2-Stunden Pacemaker wieder einholen und, weil sich meine Beine hier noch gut anfühlten, überholen.

Dann kam auch bald schon die blaue Brücke in Sicht. Hier irgendwo sollte eine Kollegin stehen, um mich für die letzten Kilometer nochmal richtig anzufeuern. Ich wusste nur nicht genau wo auf der Brücke sie stehen würde und ich war auch schon an ihr vorbei, als ich ihre Anfeuerungsrufe hörte. Also machte ich kehrt um sie schnell zu umärmeln und mich für ihren Support zu bedanken. Den beiden Läufern, die ich bei der Gelegenheit fast über den Haufen geschmissen hätte, sei an dieser Stelle gesagt: Sorry, ich hab an dieser Stelle nicht mehr mit Verfolgern gerechnet.

Die letzten drei Kilometer lies ich es dann einfach nur noch laufen. Der Hammermann - sollte er überhaupt beim Halbmarathon auftauchen - würde mich nicht mehr kriegen. Ich genoss den letzten Kilometer, war gleichzeitig froh, dass ich nicht auf eine zweite Runde - wie die Marathonläufer - gehen würde, sondern in Richtung Ziel abbiegen durfte. Mit der Sonne um die Wette strahlend überquerte ich die Ziellinie. Nach 1:57:44 blieb für mich die Uhr stehen. Ziel erreicht: Ich hatte meinen ersten Halbmarathon unter 2 Stunden geschafft.

Eine nette Dame, geschätzt etwa 2 AKs über mir, hängte mir meine Finisher-Medaille um den Hals, und auf meine Frage, ob's dazu nicht - wie bei der Formel eins - auch ein Küsschen gäbe, meinte sie nur Bei der Formel eins küssen die Fahrer die Mädels und hielt mir die Wange hin. Tscha, Mädel, dachte ich, das ist heute wohl Dein Glückstag...

Im Verpflegungsbereich nach dem Ziel reihte ich mich erstmal in eine der langen Schlangen der Wartenden ein. Als ich vorne ankam stellte ich leicht überrascht fest, das dies ein Bierstand war. Egal. Hauptsache flüssig. Zwar wenig isotonisch, aber trotzdem höchst willkommen in dem Moment. Danach gab's - von einer örtlichen Bäckerei gestiftet - noch lecker Rosinenbrot und Müsliriegel, deren Verzehr allerdings eine weitaus größere Herrausforderung darstellten als die hinter mir liegenden 21 Kilometer. Aber wer sich durch einen Halbmarathon "gebissen" hat, der schafft auch das.

Nachdem ich endlich aus der Verpflegungshalle raus war und alle Hoffnungen auf eine baldige Dusche begraben hatte, joggte ich gemütlich, die Medaille in der Hand, zurück zum Auto, wo ich auch gleich den versprochenen Anruf nach Hause absetze. Meine Frau konnte mir sogar schon meine Platzierung sagen; sie hatte meinen Lauf im Liveticker verfolgt. Ihr gilt übrigens mein größter Dank. Schließlich hat sie mich und meinen Trainingsplan in den letzten 12 Wochen gelassen ertragen und mich motivierend unterstützt, wenn ich doch mal ein Durchhängerchen hatte.

Ein ganz großes Dankeschön geht auch an die Veranstalter, die vielen Helfer, die Bands und nicht zuletzt an die vielen Zuschauer. Ohne Euch hätte die ganze Sache sicher nur halb soviel Spaß gemacht. Ihr habt das Ding gerockt!

Wir sehen uns im nächsten Jahr!